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Archive for Mai 2012

Offenlegung von Interessenkonflikten – unerwünschte Wirkungen möglich?

22. Mai 2012 1 Kommentar

Ein Beitrag im Forum Gesundheitspolitik („Argumente und Fakten für eine soziale Gesundheitspolitik“; http://forum-gesundheitspolitik.de/artikel/artikel.pl?artikel=2085) ruft geradezu nach einer ergänzenden Stellungnahme. Diese scheint schon aus Gründen der Nachvollziehbarkeit eines notwendigen und deutlich besseren Schutzes von Betroffenen dringend erforderlich. Der Text wurde auf Facebook mit folgender Stellungnahme verlinkt:

Die Beurteilung zur Offenlegung von Interessenkonflikten ist einerseits längst überfällig und zwingend notwendig. Andererseits greifen die Feststellungen – wenn auch in bester Absicht – deutlich zu kurz.

So lautet die Feststellung zu Beginn des Artikels:
Interessenkonflikte finanzieller und nicht-finanzieller Art sind in der Medizin weit verbreitet. Als problematisch gelten sie, weil die Wahrnehmung und Bewertung von Sachverhalten beeinflussen und verzerren können. Beispiele zeigen, dass Wissenschaftler je nach Vorhandensein von Interessenkonflikte identische Daten gegensätzlich beurteilen„,

und in der weiteren Diskussion wird – wenn auch nicht immer nachvollziehbar – auf mögliche Folgen einer Offenlegung eingegangen.

Übersehen wird dabei aber völlig eine weitere nicht unerhebliche, um nicht zu sagen vielfach dramatische Folge: die Fehlinformation von allen (!) Beteiligten, seien es Patienten, Kosten- und Leistungsträger und damit die Gesellschaft an sich, aber auch die Wissenschaft!

Interessenkonflikte haben die Eigenheit, dass die dadurch vertretenen Ansichten vielfach von Meinungsträgern verbreitet und verfestigt werden. Also agressiv zunehmend auch in Lehre, Schulung und Weiterbildung, aber auch bei juristisch relevanten Auseinandersetzungen (Stichwort: Gutachterunwesen, Gefälligkeitsgutachten).
Tatsächlich falsches „Wissen“ wird zumindest lange Zeit ungeprüft in Wissenschaft und Lehre an künftige Generationen weitergegeben – und damit schädigendes Verhalten gegenüber Patienten und Versichertengemeinschaft.

Da scheint auch der kleine Lichtblick am Ende des Artikels wenig Hoffnung zu verbreiten:
Die stärkste Wirkung erziele die Pflicht zur Offenlegung von Interessenkonflikten vermutlich auf die Ärzte selbst. Analoge Beispiele aus anderen Bereichen zeigen, dass Personen das Eingehen von Interessenkonflikten vermeiden, wenn diese schwer vor Anderen zu rechtfertigen sind. Dies dürfte für die Annahme von Geschenken und die Finanzierung von ärztlicher Fortbildung durch die pharmazeutische Industrie durchaus zutreffen.

Es bleibt also für all jene, die sich den Schutz der Patienten zum Ziel gesetzt haben viel Arbeit, viel Geduld und noch mehr an Aufklärung.

Ärzte-Pharma-Dialog: Fragen Sie Ihren Arzt oder Pharmareferenten

Es ist schon äusserst aufschlussreich, wenn man die Entwicklung einiger Bereiche, Studien und Unternehmen im Gesundheitsbereich verfolgt.

Ausgehend von einer vermeintlich neuen Umgangsweise und die Kommunikation darüber, verfolge ich seit längerer Zeit einige Ansätze zum Thema „Patientensicherheit“ und einem aufkommenden internen Management hierzu.

Eines der Projekte war coliquio (www.coliquio.de), das sich im Bereich Critical Incident Reporting System (CIRS) für Krankenhäuser engagierte. Es entstand aus einem Forschungsprojekt der Hochschule Konstanz, wurde als studentische Abschlussarbeit der heutigen Inhaber Martin Drees und Felix Rademacher gefördert*.

* u.a. in http://de.wikipedia.org/wiki/Coliquio

Zur Klarstellung: CIRS soll in erster Linie dem Patientenschutz und der Patientensicherheit und der Fehlervermeidung dienen.

Wenn ich aber heute die Aufgaben und Tätigkeitsfelder auf der Website sehe, dann frage ich mich schon, was da gefördert wurde.
Die betont kostenlose Diskussionsplattform für Ärzte scheint nur noch Alibifunktion dafür zu sein, diese auf die eigentlichen Geschäftsfelder mit der Pharmaindustrie zu lenken.

Da steht deutlich unter dem Bereich „Für Unternehmen“:

 Zitat:

       Vorteile des Onlinedialogs mit Pharmaunternehmen für Ärzte

  • Erhalten Sie mehrwertorientierte Informationen zu Medikamenten und Neueinführungen
  • Tauschen Sie sich mit Experten von der Pharmaindustrie zu allen wichtigen Indikationen aus
  • Teilen Sie als Arzt Ihre wertvollen Praxiserfahrungen in vergüteten Umfragen mit

Vorteile des Onlinedialogs mit Ärzten für Pharmaunternehmen

  • Unterstützen Sie Ärzte mit wertvollen Inhalten wie zum Beispiel neue Studien
  • Präsentieren Sie sich als kompetenter Ansprechpartner in Ihrer Indikation
  • Erhalten Sie wichtige Erkenntnisse aus dem praktischen Alltag von Experten in Ihrer Indikation

aus: http://www.coliquio.de/unternehmen.html

    

Und wie das Ganze dann ausschaut findet und liest man in den Seminar-Vermittlungs-Angeboten an die Medizinmänner und -männerinnen (schön, wenn man geschlechtsneutral bleiben will) unter http://www.bodenseeworkshop.de.


Die Aquirierung neuer Mitglieder wird in Presseveröffentlichungen natürlich weiter unter dem Deckmantel von CIRS betrieben, wie bei

http://www.openpr.de/news/388374/Das…schichten.html

http://www.openpr.de/news/516095/Str…enetzwerk.html


Kritisch im CIRS-Managemnet ist da sicher allenfalls die Methode, das Zustandekommen und die verschleierte Absicht. Das soll auch die Meinung von MEZIS („Mein Essen zahl ich selbst“ –
http://www.mezis.de – eine von mir hoch geachtete Initiative) sein. Ich habe dort nur noch keinen Beitrag darüber gefunden.

Aber toll, wie man mit einem vermeintlichen und dazu noch geförderten Problemlösungsansatz unter Mediziner abfischen geht.

Suchdienst für Verkehrsunfallopfer und Unfallzeugen im Internet

Warum eigentlich erst jetzt? Die Vielzahl der Anlässe ist bekannt. Die Möglichkeit einer solchen Datensammlung wäre schon lange gegeben. Nun hat es der Jurist Lazar Vesin, Verkehrsrechtsanwalt in Hamburg, realisiert: eine Datenbank, in der Unfallopfer mögliche Zeugen, Zeugen wiederum zugrunde liegende Unfälle suchen können. Die Seite ist schon seit November 2011 online und findet offenbar regen Zuspruch.

Die offizielle Pressemitteilung hierzu:

Crash, Boom, Bang: www.vrvz.de sorgt für mehr Gerechtigkeit im Straßenverkehr / Der kostenfreie und anonyme Suchdienst für Verkehrsunfallopfer und Unfallzeugen im Internet geht am 11. November 2011 offiziell online.

Hamburg, 03. November 2011

Alle fünf Sekunden knallt es auf deutschen Straßen. Wer jedoch keine Zeugen benennen kann, droht nach einem Verkehrsunfall auf dem entstandenen Schaden, den Prozess- und Folgekosten sitzen zu bleiben. So zum Beispiel, weil Versicherungen die Zahlungen aufgrund der ungeklärten Sachlage verzögern oder sogar komplett verweigern.

www.vrvz.de wirkt dieser Misere effektiv entgegen: Denn die neue Online-Plattform bietet Unfallopfern die Möglichkeit, ihren Verkehrsunfall schnell, einfach, anonym und kostenfrei ins Netz zu stellen, um Zeugen zu suchen und so ihre Unschuld zu beweisen.

Gemeldete Unfälle sind innerhalb von nur wenigen Minuten auf www.vrvz.de online. Melden sich Zeugen, wird das Unfallopfer zunächst seitens www.vrvz.de informiert. Nachdem das Unfallopfer seine zuvor bei VRVZ hinterlegten Kontaktdaten freigegeben hat, werden diese direkt an den Zeugen weitergeleitet. Das ist ein großer Schritt hin zur Gerechtigkeit.

VRVZ ist die Abkürzung für »Verkehrsrechts-Verzeichnis«. Hier finden Unfallopfer und  -zeugen mühelos zueinander, um die Schuldfrage rasch und eindeutig zu klären. Außerdem bietet www.vrvz.de ein umfassendes, leicht verständliches Verkehrsrechtslexikon sowie einen Bußgeldrechner. 

Die Plattform bedient derzeit Deutschland, Österreich und die Schweiz. Andere europäische Länder werden folgen. Das Angebot richtet sich an sämtliche Verkehrsteilnehmer: Ganz gleich, ob Fußgänger, Auto-, Motorrad- oder Radfahrer – wer sich im Straßenverkehr bewegt, sollte www.vrvz.de kennen.

Für weitere Informationen:

VRVZ GmbH i. G. c/o Vesin – Kanzlei für Verkehrsrecht

Lilienstraße 36 20095 Hamburg

Ihr Ansprechpartner: Herr RA Lazar Vesin

Tel.: +49 (0)40 320 299 33 Fax: +49 (0)40 320 299 34

E-Mail: vesin@vrvz.de

Web: http://www.vrvz.de/presse.html

Diese können Sie auch unter 111103_PM11001_VRVZ-geht-online als PDF-Dokument nachlesen.

Die Nutzung ist übrigens auch für Behörden möglich. Polizeidienststellen erhalten auf Anfrage einen besonderen Zugang. Ob dies auch genutzt wird, bleibt abzuwarten. Zumindest wäre eine Information von Unfallopfern und Geschädigten wünschenswert. Um die breite Bevölkerung zu erreichen und den Zufallsfaktor möglichst klein zu halten, sollte eine Benachrichtigung per SMS analog zum Suchsystem von AMBER-Alarm zur Auffindung vermißter Kinder geprüft und angestrebt werden.

Es ist übrigens schon verwunderlich, dass eine solche Initiative nicht bereits von dieser Seite ausging.

Patientenrechtegesetz der Bundesregierung ist Mogelpackung

Endlich kommt es: das Patientenrechtegesetz!

Lange haben besonders die  Betroffenen auf eine Regelung gewartet, die ihnen mehr Rechte gegenüber Ärzten,  Kliniken und Leistungsträgern einräumt. Nun wird über den vorliegenden Entwurf  an allen Enden der Beteiligtenkette diskutiert und debattiert.
Kritik, wie  sie von berufener Seite angebracht wird, ist leider nicht von der Hand zu  weisen. Bis auf wenige Ausnahmen wie einer „Soll“-Bestimmung im Sozialgesetzbuch  gegenüber Krankenkassen zur Unterstützung Betroffener, wurde weitgehend bereits  bestehendes und gesprochenes Richterrecht in das Gesetz aufgenommen. Der Patient  als regelmäßig medizinischer Laie steht weiterhin gegenüber die mit  Finanzmitteln und kollegialen Gutachtern ausgestattete Ärzteschaft und  Klinikbetreiber alleine  da.
Die angekündigten vermeintlichen Verbesserungen sind keine, die geringfügigen Änderungen stehen auf dem Papier und werden Makulatur bleiben.
Es bleibt also alles schlechter.
Denn wer entscheidet denn bisher und auch zukünftig, ob ein grober  Behandlungsfehler vorliegt, der dann erst noch auf Nachfrage eingeräumt werden müsste? Die Antwort wird doch immer so oder ähnlich lauten: „Das Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers war für mich nicht ersichtlich.“

Schliesslich ist es ja nicht Aufgabe des Arztes im Falle einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung, schon gar nicht einmal im  Status eines Gutachters, einen Behandlungsfehler als grob einzustufen! Dann soll er es plötzlich schon im Vorfeld?

Danke für das Gespräch, Herr Bahr, Frau Leutheusser-Schnarrenberger.

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Links:
http://www.bmg.bund.de/praevention/patientenrechte/patientenrechtegesetz.html
http://www.thomas-isenberg.de
http://www.ngm-bayern.de

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